ADHS - Diagnose
Da nicht jedes lebhafte Kind an ADHS erkrankt ist, ist die Diagnosefindung in vielen Fällen ein äußerst schwieriges Unterfangen, weshalb sie in erster Linie nur von in der Materie erfahrenen Kinderärzten gestellt werden sollte.
Der Weg zur Diagnose ist zeitaufwendig. Das Kind sollte über Monate immer wieder beobachtet werden, Familie, Lehrer und Umfeld mittels standardisierter Fragebögen in die Diagnosestellung mit einbezogen werden.
Neben der Diagnose gilt es auch eventuelle Differentialdiagnosen wie milieubedingte Verhaltensauffälligkeiten, Minderbegabung, Hochbegabung, Teilleistungsstörungen, Seh- und Hörstörungen, Anfallsleiden, Angststörungen, Tic-Störungen, Tourette-Syndrom, Psychosen, pränatale Schädigung durch Alkohol, Autismus, Fragiles X Syndrom, Neurofibromatose, psychoorganische Syndrome und Schilddrüsenfehlfunktionen zu berücksichtigen.
Die Diagnose ADHS sollte sich wegen der Komplexität der Erkrankung auf unterschiedliche Verfahren stützen, da ein einzelner Test niemals die oben angeführten Differentialdiagnosen ausschließen kann. Wichtige Bausteine einer fundierten ADHS Diagnostik sind:
1. Anamnese
Unter Anamnese versteht man im medizinischen Fachjargon die Erhebung der Krankengeschichte.
1.1 Eigenanamnese
- Schwangerschaftsanamnese
- Geburtsanamnese
- Symptome?, Beschwerden?
- Andere Erkrankungen?
- Medikamente?
1.2 Familienanamnese
- ADHS in der Familie?
- Verhaltensauffälligkeiten in der Familie?
- Psychiatrische Erkrankungen in der Familie?
- Alkohol, Nikotin oder Drogen in der Familie?
1.3 Sozialanamnese
- Wohn- und Familiensituation?
- Geschwister?
- Berufliche Bildung der Eltern?
- Tagesablauf des Kindes?
- Alltagsaktivitäten?
- Hobbies?
- Tiere im Haushalt?
- Freundschaften?
- Stärken des Kindes?
2. Fragebögen
2.1 ADHS Fragebögen für die Eltern
In diesen normierten Fragebögen werden die Eltern zu ADHS typischen Verhaltensmustern ihres Kindes in den Teilbereichen Schule, Familie und Freizeit befragt.
2.2 ADHS Fragebögen für Lehrer
Diese Fragebögen werden meist parallel zum Fragebogen für Eltern durchgeführt und geben einen recht guten Einblick in die schulische Situation der Kinder.
3. Testpsychologische Untersuchungen
Folgende psychologische Testverfahren können bei der ADHS Diagnostik sinnvoll sein:
- Entwicklungstests
- Intelligenztests
- Ausschluss von Teilleistungsstörungen im Lesen, Schreiben und Rechnen
- Aufmerksamkeitstests (CPT)
CPT steht für continous performance test und ist ein computerunterstütztes Verfahren zur Messung der Aufmerksamkeit eines Kindes. Dem Patienten werden dabei auf einem Bildschirm in kurzen Abständen einzelne unterschiedliche Buchstaben gezeigt. Bei Erscheinen bestimmter Buchstabenkombinationen müssen die Kinder die Leertaste drücken. Mit diesem Testverfahren kann auf recht einfache Weise die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder überprüft werden.
4. Ärztliche Untersuchung
Die körperliche Untersuchung der Patienten sollte stets von Kopf bis Fuß erfolgen mit besonderer Aufmerksamkeit auf Größe, Gewicht, BMI, Blutdruck, Puls, Neurologie, Beurteilung des psychischen und geistigen Entwicklungsstandes, Beurteilung des Hör- und Sehvermögens.
5. apparative Untersuchungen
5.1 Labor
Zum Ausschluss wichtiger Differentialdiagnosen empfehlen sich folgende Blutabnahmen:
- Blutbild
- Elektrolyte
- Leberwerte
- Nierenwerte
- Schilddrüsenparameter
5.2 EEG
Mit dem Elektroenzephalogramm kann die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen werden und dient zur Entlarvung einer eventuell vorhandenen Epilepsie.
Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass eine exakte und sorgfältige Diagnose die wichtigste Vorraussetzung für eine effektive Behandlung darstellt.