ADHS - Verbreitung
Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass ADHS zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gehört. Man darf mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass 4-6% aller Schulkinder in Mitteleuropa von ADHS oder einer ähnlichen Teilsymptomatik betroffen sind. In absoluten Zahlen ausgedrückt leben derzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht weniger als 600000 Schulkinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätstörung.
Früher ging man davon aus, dass mit Erreichen der Pubertät die Verhaltensauffälligkeiten verschwinden würden. Tatsächlich setzt sich die ADHS Erkrankung bei mehr als 50% der Jugendlichen im Erwachsenenalter fort. Das deutsche Ärzteblatt geht deshalb von einer Prävalenz des ADHS von rund 1% bis 4,5% aller Erwachsenen aus. Bei dieser Patientengruppe bildet sich die Hyperaktivität eher zurück, während Komplikationen wie Konzentrationsstörungen, Depressionen, Angststörungen oder mangelnde Selbstbeherrschung in den Vordergrund treten.
Buben erkranken wesentlich häufiger an ADHS als Mädchen, wobei eine Geschlechterverteilung von 3:1 angenommen wird. Knaben neigen dabei zu Hyperaktivität und Impulsivität, während Mädchen eher durch Konzentrationsstörungen auffallen, welche von Eltern und Lehrern oft nicht mit einem ADHS in Verbindung gebracht werden.
Bei Kindern unter sechs Jahren sollte mit der Diagnose ADHS und einer medikamentösen Einstellung noch sehr zurückhaltend umgegangen werden. Viele der Hauptsymptome der Erkrankung können in diesem Lebensalter noch Varianten der allgemeinen Norm darstellen. Um zweifelsfrei von einem ADHS sprechen zu können, müssen die Verhaltensauffälligkeiten mindestens sechs Monate andauern, unterschiedliche Teilbereiche des Lebens betreffen (Schule, Familie, Freizeit) und sich nicht selbständig bessern.